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Tokyos Skater Szene – Der Ausdruck von Widerstand gegen das System

15. April 2019 2 min read

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Tokyos Skater Szene – Der Ausdruck von Widerstand gegen das System

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In Japan entwickeln sich immer mehr Bewegungen, die sich gegen den Strom und die Leistungsgesellschaft stellen. Eine davon rollt sich durch die Nacht hindurch. 

 Tokyo ist eine Akkumulation von Informationsüberflut. Von überall her wird man von Bildschirmen angeplappert wie teuer die Metro ist, wird mit Werbung von irgendwelchen Anti-Aging Kosmetikartikel oder von Gamecenters berieselt. Auf der Strasse ist der Kampf der Promotoren, die versuchen Gäste für ihre Izakaya-Restaurants im 25. Stock zu gewinnen. Auch die Menschenströme überwältigen einen auf der Strassen mit ihren schon fast choreografierten Abläufen. Alles in Tokyo läuft in schnellster Geschwindigkeit ab. In solch einer Stadt muss man wachsam bleiben und wird von ihr zur Höchstleistung getrimmt. Sonst kann man nicht mithalten. 

Aus diesem System auszubrechen ist nicht ganz so leicht. Denn die Norm «angepasst sein» zu brechen braucht extrem viel Mut, vor allem weil man von seiner Umgebung missachtet wird und das direkt hin zum sozialen Abgrund führt. Es ist ein Zeichen von Widerstand, dem gesellschaftlichen Druck auszuweichen, sein Ding durchzuziehen in einer Gesellschaft wie Japan. 

 Skateboarding ist eine Sportart, die in Japan nicht sehr angesehen ist. In einer Kultur in welcher es als Norm gilt, sich an den Regeln der Gesellschaft zu halten, verstossen die Skaters gegen sämtliche Regeln. Sie «beschädigen» Sachverhalte und machen viel Lärm und werden von der Gesellschaft als Vandalen angesehen.   

Auf der Strasse zu skaten, «Streetboarding» genannt,  ist illegal in Tokyo. Durch den Tag hinweg werden die Strassen Tokyos streng überwacht von Polizisten und die Menschenmasse verhindern die Nutzung des öffentlichen Raums für die Skateboarders. Natürlich gibt es auch «Park-Style»skating. Aber durch die gegebene Architektur des Parkes sind die Tricks der Skaters limitiert und sie können sich nicht so frei bewegen wie auf der Strasse. 

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Diese Szene bewegt sich also in der Nacht, wenn die letzten Metrozüge abgefahren, die Menschenmasse weg sind und die Strassen weniger streng überwacht werden. In der Nacht können sie frei von Vorurteilen und Struktur ihre skaterische Freiheit ausleben. Die Tokyo Szene hat einen ganz speziellen Skating-Stil entwickelt. Durch die spezielle Architektur der Stadt mit den engen Strassen und vielen kleineren Gegenständen, wird der Platz zum Landen limitiert und dementsprechend muss anders geskatet werden.Die Stadt ist eine Herausforderung aber eine gute, denn man gehört zu den Besten wenn man Tokyo meistern kann. 

 Zum ersten Mal in der Geschichte wird die Disziplin «Skateboarding» bei den olympischen Spielen 2020 in Tokyo ausgeführt. Eine Hoffnung für die japanische Skaterszene, denn dadurch gelten sie als offizielle Sportart und werden von den Vorurteilen der Gesellschaft möglicherweise erlöst. 

 

Autor: Juliette Dunaigre
Titelbild: habuchin1212