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Nachhaltigkeit, Flugemissionen und Plogging – Ein Interview über die Nachhaltigkeitswoche Luzern

19. März 2019 4 min read

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Nachhaltigkeit, Flugemissionen und Plogging – Ein Interview über die Nachhaltigkeitswoche Luzern

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Zwischen Februar und April finden in verschiedenen Schweizer Städten Nachhaltigkeitswochen statt. Vom 25 – 29.03.19 ist es nun auch in Luzern so weit. Pascal Studer ist Mitglied des Organisationskomitees der Nachhaltigkeitswoche Luzern und wir haben Ihn auf ein Gespräch getroffen.

Maurice Koepfli: Was ist die Idee hinter der Nachhaltigkeitswoche Luzern?

Pascal Studer: Es geht grundsätzlich darum, die Leute zum Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.
Dieses Thema ist natürlich sehr weitläufig, weshalb wir während der Nachhaltigkeitswoche verschiedenste Aktivitäten rund um das Thema anbieten. Die Aktivitäten sollen aber vor allem die Nachhaltigkeit im Alltag unterstützen und den Besucherinnen und Besucher zeigen, wie sie zu einer nachhaltigeren Welt beitragen können.

MK: Ihr bietet Vorträge, Workshops und Aktivitäten aller Art an. Man kann ein Vortrag in der HSLU zum Thema «Marktwirtschaft ohne Kapitalismus» besuchen oder an einer Yoga und Meditationsrunde teilnehmen. Was hat Meditation mit Nachhaltigkeit zu tun?

PS: Das ist ein wunderbares Beispiel, das aufzeigt, wie facettenreich Nachhaltigkeit sein kann. Sie ist nicht nur in unsere Umwelt aufzufinden. Wer Nachhaltigkeit lebt, muss auch zu sich selbst Sorge tragen und hier spielen zum Beispiel Yoga und Meditation hinein. Nachhaltigkeit bedeutet nämlich auch, achtsam zu sein – sowohl zu seiner Umwelt, als auch zu sich selbst, zu seinen Gewohnheiten und seinem eigenen Verhalten. Sind wir sorgsam zu uns, haben wir mehr Energie, um andere Sachen im Leben anzugehen. Wie beispielsweise das Thema Nachhaltigkeit.

MK: Ein durchschnittlicher Flug von Zürich nach New York und retour verursacht etwa gleich viel Co2-Emissionen wie 292-mal mit dem Zug nach Paris und zurückzufahren. Herr und Frau Schweizer gehören zu den Weltmeistern im Fliegen. Liegt so gesehen der Schluss nahe, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Schweiz gar nicht so wichtig ist?

PS: Man kann natürlich so argumentieren und ich verstehe auch, dass es frustrierend sein kann, wenn die Politik in Bezug auf Nachhaltigkeit sehr träge agiert. Es ist auch klar, dass gerade die Flugbranche unserer Umwelt nicht positiv gegenübersteht. Das kann man nicht wegdiskutieren. Doch auch andere Branchen sind umweltschädlich – ich denke da beispielsweise an die Zementproduktion. Klar ist: Die grossen politischen Probleme können wir mit der Nachhaltigkeitswoche alleine nicht beheben.
Wir können aber den sozialen Wandel, der zweifellos stattfindet, beschleunigen. Davon bin ich überzeugt – auch wenn Pessimisten sagen, die kleinen Dinge seien nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Ich sage: Stetes Tropfen höhlt den Stein. Die Nachhaltigkeitswoche ist somit unser Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt.

MK: Wo in Luzern kann man eure Veranstaltungen antreffen?

PS: Die meisten Sachen trifft man in der Uni Luzern/ PH und an der HSLU an. Die Nachhaltigkeitswoche Luzern wird auch von Studierenden von dieser Uni und der Fachhochschule organisiert. Es gibt aber auch einige Aktivitäten ausserhalb der Uni. Das Urban Gardening findet zum Beispiel im Leo 15 an der St. Leodegar-Strasse statt. In der Teiggi in Kriens gibt es eine Führung in einem Wohnwerk, wo das nachhaltige und genossenschaftliche Zusammenleben im Zentrum steht. Die Nachhaltigkeitswoche Luzern findet also auch ausserhalb der Stadtgrenze statt. Aber auch in der Stadt Luzern selber kann man die Nachhaltigkeitswoche antreffen – beispielsweise durch den Event „Plogging“.

MK: Was ist Plogging?

PS: Plogging ist eine neue Trendsportart aus Schweden und setzt sich aus den Worten „Jogging“ und „plocka“ – was Schwedisch ist und „aufheben“ bedeutet – zusammen. Es geht also darum, zu joggen und gleichzeitig zu „fötzeln“, also Abfall von den Strasse zu entfernen. Der Plogging-Run startet vor dem Uni/PH-Gebäude. Anschliessend joggt man durch die Strassen von Luzern und tut etwas für Körper und Umwelt.

MK: Klimaabkommen, Klimastreik, Klimawoche. Von Trump bis zu Greta Thunberg. Der Klimawandel polarisiert und besitzt eine riesige mediale Aufmerksamkeit. Kann diese ganze Informationsflut dazu führen, dass es dem «normalo» Bürger zu viel wird? Das Bezahlen der eigenen Rechnungen kann das einzelne Individuum ja durchaus mehr beschäftigen als die Temperatur des Planeten in 100 Jahren.

PS: Gerade das Thema Geld finde ich einen interessanten Ansatz. Zu diesem Thema bieten wir auch einen Workshop an, der aufzeigt, wie man Geld am besten in einem nachhaltigen Rahmen ausgibt. Dazu haben wir wie erwähnt einen Workshop zu Urban Gardening, wo man lernt wie man selbst einen Garten machen kann, was auch budgetfreundlich ist. Es ist aber natürlich so, dass es persönliche Ressourcen und Zeit braucht, um sich in das Thema hineinzulesen. Es gibt jeden Tag neue Fakten, mit denen man sich auseinandersetzen kann. Ich selbst habe auch noch lange nicht ausgelernt.

MK: Also bietet sich die Nachhaltigkeitswoche als einen guten Einstieg in das Thema an?

PS: Genau – aber natürlich nicht nur. Wir bieten zum Beispiel ein Repair Café an, wo es darum geht kaputte Sachen nicht einfach zu entsorgen, sondern selbst zu reparieren. Es gibt Vorträge, bei denen man lernt, wie man ein Anliegen auf politisches Parkett bringen kann. Es ist ein breites Spektrum und eine Woche, in der man Neues lernen und neue Ideen finden kann.

MK: Hast du ein Tipp, wie man sein Leben einfach umweltfreundlicher gestalten kann?

Ich hatte kürzlich ein Meeting mit dem Facility-Manager der Uni Luzern. Er erzählte mir, dass nach wie vor sehr viele PET-Flaschen in den normalen Abfall und normaler Abfall in den PET gelangen oder dass man oft die Lichter in den Zimmern und der Uni nicht löscht. Würden wir alle bereits die kleinen Sachen nicht mehr falsch machen, würden wir bereits schon sehr viel richtig machen.

 

Das ganze Programm zur Nachhaltigkeitswoche Luzern findest du hier!

Über Pascal Studer

Pascal Studer ist Kommunikationsverantwortlicher der 
Nachhaltigkeitswoche Luzern. Zusammen mit einer Kollegin 
koordiniert und beantwortet er Medienanfragen und ist für die 
Online Kommunikation und Social Media-Kanäle der 
Nachhaltigkeitswoche Luzern verantwortlich. Der 24-Jährige 
studiert an Universität Weltgesellschaft & Weltpolitik.