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Filmkritik: Call Me By Your Name

15. April 2018 2 min read

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Filmkritik: Call Me By Your Name

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Sommer 1983. Der 17 jährige jüdisch-amerikanische Elio (Timothée Chalamet) ist mit seiner Familie in Norditalien und geniesst die Ferientage. Das Leben ist gut und sorglos in der grossen, offenen Villa. Er faulenzt in der Sonne, liest seine Bücher und transkribiert klassische Musikstücke, bis eines Tages Oliver (Armie Hammer) auf einen längeren Besuch vorbeikommt. Ein 24 jähriger Doktorand welcher an seiner Abschlussarbeit schreibt. Er ist Amerikaner, gross, gebräunt, gutaussehend und hilft Elio’s Vater (Michael Stuhlbarg), einem Spezialist in der Griechisch-Römischen Kultur, bei seinen Forschungen. Anfangs distanziert, kühl und auch etwas gehasst kommen sich Elio und Oliver mit der Zeit näher. Es ist der Anfang einer verwirrten und doch tief verbundenen Liebe.

«Call Me By Your Name» vom italienischen Regisseur Luca Guadagnino ist ein wunderschön schwebender Film. Der inzwischen 90 jährige James Ivory hatte ihn beim Drehbuchschreiben unterstütz. Das Ganze basiert auf dem Buch von André Aciman und mischt sich mit den Genres von Comig-of-age, Liebesfilm und Drama. Es ist eine Ode an die Liebe und die jungen, verwirrten Jahre der Jugend.

Die Schauspieler sind sehr natürlich in ihren Rollen (obwohl beiden Protagonisten angeblich komplett Heterosexuell sind). Sie sind zärtlich zueinander, verkörpern perfekt dieses lechzen nach der Liebe und Lust die sie füreinander spüren, und doch zögern sie, geben nichts wirklich zu und sind unsicher. Alles könnte jederzeit zusammenbrechen. Es ist ein Geheimnis, auch zwischen den zwei Männern. «Ist es besser zu Reden oder zu Sterben?» Liest Elio’s Mutter (Amira Casar) eines Abends aus einer Geschichte eines Ritters, der seine Liebe zu einer Prinzessin nicht offenbaren kann, vor.

Elio ist komplett besessen von Oliver. Er möchte mit ihm sein, immer, am besten mit ihm
verschmelzen. In manchen Szenen sind sie so ineinander verwurstelt, dass man nicht mehr erkennt wer wer ist. Elio Oliver Oliver Elio, call me by your name, sagt Elio zu Oliver als sie gemeinsam im Bett liegen.

Alles ist locker, weich, warm und im sommerlichen Flair eingetaucht. Gefilmt wurde in der
Heimat des Regisseurs Crema. Man spürt die Liebe die Guadagnino zu diesem Ort hat. Die
Szenerie, die Einrichtung, die Shots: Alte Männer die Fischen gehen, Mädchen radeln in
Badekleider, zirpende Grillen, man isst. Es ist eine lockere und glückliche Gegend, man
möchte am liebsten selbst dort leben.

Der Film hatte mich lange beschäftigt und überwältigt mit dieser bittersüssen Ekstase und
Sehnsucht der Liebe. Ich war diesem Film komplett ausgeliefert und auch etwas verwirrt, aber es braucht diese Verwirrtheit da Oliver und Elio es selbst sind.

Die Prinzessin sagt zum Schluss dem sehnsüchtigen Ritter: «Ich rate allen meinen Freunden, ohne Scheu zu sprechen, Worte können immer wiedergutgemacht werden. Das Leben aber, wenn einmal gelebt, ist für immer verloren».

Text: Neve Regli (Netzwerkstoff)

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