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Alkestis: Eine Prise Antike im Luzerner Theater

24. Mai 2019 2 min read

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Alkestis: Eine Prise Antike im Luzerner Theater

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Mystische Klänge, ein ziegenköpfiger, zu wilder Musik tanzender Herakles, Drama, Humor an der Grenze des Absurden, Aufopferung und Selbstsucht, Leben und Tod, eine feierliche Trauerprozession sowie eine Reise in die dunkle Unterwelt. Interesse geweckt? Gut, denn all dies findet sich in Alkestis im Luzerner Theater zu einem unterhaltsamen Gemisch zusammen.

Das Stück ist dabei keineswegs neu, stammt es ja aus der Feder des berühmten antiken Dramatikers Euripides, welches im Laufe der Zeit schon unzählige Male neu inszeniert wurde. Diesmal wagt sich das renommierte griechische Theater- und Filmregisseur sowie Schauspieler Duo Angeliki Papoulia und Christos Passalis mit ihrem typisch surrealen und poetischen Stil und der Hilfe einer internationalen Besetzung an das Stück. Die Geschichte bleibt dabei im Kern gleich: Im Zentrum des Dramas steht Alkestis, die Gattin des Königs Admetos, welche sich dazu bereit erklärt für ihren Mann in den Tod zu gehen um Ihn zu retten. Wir als Zuschauer erleben Ihren Tod mit, dessen Folgen, die auf makabre Art sehr unterhaltsame Trauerprozession sowie Alkestis Reise in die Unterwelt. Das mag für manche langweilig und klischeehaft klingen, es ist ja auch ein klassisches Drama. Die gut zweistündige Inszenierung ist jedoch alles andere als das. Alkestis ist eine moderne Adaption und scheut sich nicht dies auch bewusst einzusetzen. Hier werden Radios und durch altmodische Lampen hervorgerufene beeindruckende Licht- und Schattenspiele miteinander kombiniert, es wird Griechisch und Deutsch gesprochen,  moderne und antike Kleidung miteinander vermischt, Schauspieler in Quarantäne Anzügen und mit Laubbläsern bewaffnet auf die Bühne geschickt, was wortwörtlich frischen Wind in das alte Stück hineinbringt. Das Besondere an Alkestis ist auch der interaktive Part, in dem das Publikum die Möglichkeit hat, den König zu dem Begräbnis ausserhalb des Theaters zu begleiten. Unglaublich gut fängt Alkestis mit seinem Bühnenbild und Musik das mystische der griechischen Fabelwelt ein. Zeitweise begibt man sich beinahe in einen Zustand der Trance hinein, den man mehr auf einem Goa Festival als bei einem Theaterbesuch erwartet. Das Stück rutscht immer wieder ins Absurde und humorvolle hinein, was den eigentlichen traurigen und emotionalen Grundton auf angenehme Art lockert. Etwa wenn Ziegenkopf Herakles eine halbe Magic Mike Show auf der Bühne zu Besten gibt. Das Stück lässt einem jedoch auch nachdenklich zurück, sinniert es doch über Leben und Tod.

Kurz gesagt ist Alkestis eine interessante, internationale und vor allem moderne Inszenierung. Wem dies zusagt, hat jetzt noch die Chance, die drei verbleibenden Aufführung vom Juni zu sehen. Spätestens bei der letzten Aufführung am 13.06.2019.

Weitere Infos zum Theater findest du hier!

Text: Timon Nieminen
Bild: Ingo Hoehn